arpos Akademie

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Workshop: Die Praxis qualitativer Sozialforschung

Der Workshop orientiert sich an dem Ablauf eines Forschungsprozesses und behandelt folgende Themen ausführlich:

1. Vorkehrungen zur Qualitätssicherung
Immer wieder werden Zweifel an den Befunden qualitativer Forschung laut. Neben polemischen Einwänden werden in diesem Zusammenhang durchaus auch ernst zu nehmende Fragen nach den Qualitätskriterien qualitativer Forschung gestellt. Wir wollen anhand konkreter Beispiele diskutieren, wie man durch die Planung der Stichprobe, Überlegungen zur Dokumentation des Forschungsprozesses, die Kombination verschiedener Methoden und die intersubjektive Überprüfung ernstzunehmenden Einwänden gerecht werden und die Qualität der eigenen Arbeit steigern kann.

2. Feldzugang und Teilnehmergewinnung
Der Einstieg in das Forschungsfeld ist immer eine besondere Herausforderung. Oft stellt sich die Frage, wen man in hierarchischen Organisationen um Genehmigung fragen muss oder wie unter Einhaltung des Dienstweges den gewünschten Gesprächspartner zur Mitarbeit gewinnen kann. Häufig müssen auch zunächst Kontaktnetze aufgebaut werden, um schwierige Populationen (wie z.B. Opfer) überhaupt zu erreichen. Daneben stellen sich praktische Fragen wie z.B. die Formulierung von Anschreiben, die Anfertigung von Flyern etc. Die einzelnen Punkte vor dem Hintergrund der Teilnehmerinteressen anhand konkreter Beispiele diskutiert.

3. Durchführung qualitativer Interviews
Interviews gehören zu den am häufigsten angewendeten qualitativen Erhebungsmethoden. Allerdings ist die Anwendung dieser Methode durchaus voraussetzungsvoll. Deshalb soll auf Fragen der Leitfadenkonstruktion, der Gesprächsführung und der Interviewsituation ausführlich eingegangen werden. Die Teilnehmer sollen sich in Rollenspielen mit verschiedenen Interviewformen auseinandersetzen. Da sich die Veranstalter als Interviewpartner zur Verfügung stellen, können die Teilnehmer die Interviewsituation nutzen, um Informationen für die Konzeption ihrer Forschungsprojekte zu erheben.

4. Transkription und Paraphrasierung
Bei der Transkription stellt sich oft die Frage nach der angemessenen Genauigkeit. Diese Frage lässt sich zwar nicht pauschal, wohl aber für konkrete Forschungsvorhaben beantworten. Weiterhin sollte in manchen Fällen über ein Verfahren der Datenreduktion (Paraphrasierung) nachgedacht werden, dass dann aber erhebliche Anforderungen an die Validität der damit erzeugten ersten Interpretation stellt.

5. Datenschutz und Anonymisierung
Fragen des Datenschutzes und Möglichkeiten und Grenzen der Anonymisierung von Daten sollten ebenfalls bereits vor Beginn der Forschungstätigkeit geklärt werden. Schwierige Situationen lassen sich vermeiden oder entschärfen, wenn dem Befragten vor der Erhebung deutlich gemacht wird, wo Grenzen des Datenschutzes sind (z.B. bei Schilderungen von geplanten Straftaten) oder wenn von vornherein um Zustimmung für die Weitergabe von Daten an andere Forscher ersucht wird.

6. Diskussion von Teilnehmerprojekten
In einer Abschlussrunde sollen die Teilnehmenden Gelegenheit erhalten, offene Fragen zu ihren Projekten zu diskutieren. In diesem Zusammenhang kann z.B. auch auf forschungsethische Probleme eingegangen werden.

Materialien
Allen Teilnehmern wird eine Mappe mit Materialien (beispielhafte Anschreiben, Flyer, Leitfäden, Anleitungen zur Interviewführung etc.) zur Verfügung gestellt.

Weitere Hinweise
Der Workshop kann bei Bedarf teilweise auf Englisch durchgeführt werden. Englischsprachige Projektmaterialien können auf Englisch diskutiert werden und die Erprobung qualitativer Interviews kann ebenfalls teilweise auf Englisch stattfinden. Auswertungsfragen würden den Workshop sprengen und können bestenfalls angerissen werden. Das arpos Institut bemüht sich, hierzu in naher Zukunft eine gesonderte Veranstaltung anzubieten.

Termine und Kosten
Bitte wenden Sie sich bei Interesse an den arpos Vorstand.



Die Praxis qualitativer Sozialforschung
Beispielhaftes Programm für den Workshop

1. Tag

15.00-15.30 Vorstellungsrunde, Einführung in den Workshop
15.30-17.00 Vorkehrungen zur Qualitätssicherung
  • Überlegungen zur Stichprobe, Möglichkeiten der Fallkontrastierung
  • Dokumentation des Forschungsprozesses
  • Kombination verschiedener qualitativer Methoden (Triangulation)
  • Möglichkeiten und Grenzen intersubjektiver Kontrolle
17.00-17.15 Kaffeepause
17.15-18.30 Feldzugang und Teilnehmergewinnung
  • Umgang mit Hierarchien
  • Feldzugang über den Dienstweg
  • Aufbau von Kontaktnetzen und Kontaktpflege
  • Teilnehmergewinnung über Rückantwortschreiben
  • Möglichkeiten und Grenzen des Schneeballsystems


2. Tag

9.30-11.00 Die Erhebung qualitativer Daten
  • Qualitative Erhebungsmethoden und ihre Einsatzbereiche
  • Leitfadenkonstruktion
  • Rahmenbedingungen der Datenerhebung
  • Gesprächsführung und Interviewtechniken
11.00-11.15 Kaffeepause
11.15-12.30 Durchführung qualitativer Interviews (1) - Praktische Erprobung in Rollenspielen.
Die Teilnehmer erhalten in diesem Rahmen auch Gelegenheit, die Veranstalter zu interviewen und dabei Informationen zur Durchführung ihrer eigenen Forschungsprojekte zu erheben.
12.30-14.00 Mittagspause
14.00-15.30 Durchführung qualitativer Interviews (2)
15.30-16.30 Transkription und Paraphrasierung
  • Anforderungen an Transkriptionen
  • Kalkulation von Transkriptionskosten
  • Datenreduktion und erste Interpretation durch Paraphrasierung
16.30-16.45 Kaffeepause
16.45-17.15 Datenschutz und Anonymisierung
  • Möglichkeiten und Grenzen der Anonymisierung qualitativer Daten
  • Datenschutzrechtliche Standards
  • Grenzen des Datenschutzes (z.B. bei Straftatbeständen)
17.15-18.30 Diskussion offener Fragen zu den Projekten der Teilnehmer und Feedback zum Workshop



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